Unsere Philisophie – fit for life
Auf Dänisch heissen wir Oure Idrætsskolerne. Oure ist der Name des hübschen kleinen Dorfes, in dem unsere Colleges und Schulen liegen. Das dänische Wort idræt umfasst alle Arten athletischer, sportlicher und ähnlicher Aktivitäten. Im Folgenden beschränken wir uns auf die Anwendung des Wortes Sport in der Bedeutung körperlicher Betätigung. Skole bedeutet – wie leicht zu erkennen ist – “Schule” oder “College”. In unserem speziellen Fall doch auch mit Bezug auf eine in dieser Form einzigartige dänische Institution, die Volkshochschule. Später werden wir auch ein wenig auf die Geschichte der Volksbildungsbewegung, die die Volkshochschulen hervorgebracht hat, eingehen und auch erklären, warum das Internationale Sportcollege Oure selbst in dieser einmaligen Tradition aussergewöhnlich ist.
Oure ist nicht nur eine Volkshochschule. Hier gibt es auch noch eine andere Fortbildungseinrichtung, eine Art Internatsschule für Schüler im Alter von etwa 17 Jahren, die ihre allgemeine Schulpflicht absolviert haben, aber doch noch ein Jahr dranhängen wollen, und nun auch noch eine Oberschule für Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren. Darüber hinaus führen wir im Sommer die sehr beliebten und erfolgreichen “Familienkurse” durch, wo Familien mit Kindern aktive und gesellige Ferien verbringen, unsere ausgezeichneten Anlagen und Einrichtungen nutzen können und von unseren hochqualifizierten Lehrern und Instrukteuren betreut werden. Hinzu kommt nun eben auch der Internationale Kurs.
Allen unseren Kursen liegen die gleichen Werte, Ethik und Philosophie zugrunde. Auf Dänisch haben wir eine gründliche Darlegung unserer Philosophie erarbeitet, zum einen weil es der Gesetzgeber so fordert, zum anderen aber auch weil wir es für wichtig hielten den Nachweis zu erbringen, dass Oure weitaus mehr ist als sich nur sportlich zu betätigen. Wir haben ein konsequentes und gut durchdachtes Bildungskonzept und sind ebenso seriös wie andere akademische Einrichtungen. Mit diesen Ausführungen möchten wir allen, die kein Dänisch verstehen und den Kulturkontext, in dem wir arbeiten, nur wenig oder gar nicht kennen, unsere grundlegenden Werte und Philosophien nahebringen.
Wir sind weitgehend unabhängig vom staatlichen Bildungssystem in Dänemark. Das College wurde 1987 auf der Grundlage einer Reihe von Werten gegründet, die in diesem Text erklärt werden. Wir bekamen keinerlei finanzielle Hilfe oder andere Unterstützung von irgendeiner Organisation oder irgendeinem Trust. Das heisst auch, dass wir uns aus einfachen Überlebensgründen Kräften des Marktes anpassen mussten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir glühende Verfechter des freien Marktes mit all seinen Aspekten und all seinen Verwicklungen sind. Doch so sieht die Wirklichkeit für Bildungs- und Kulturorganisationen unter den heutigen Verhältnissen nun einmal aus.
Das College konnte nur entstehen, überleben und sich entwickeln, weil Tausende von Schülern und deren Angehörige die hier verbrachte Zeit, als bereichernd und wohltuend empfanden.
Wir sind fest entschlossen, bei allem, was wir und unsere Schüler tun, nach dem Besten zu streben.
Im wesentlichen stützt sich unsere Auffassung von Sport als Bildungsträger auf fünf Grundpfeiler:
1. Physische und athletische Fertigkeiten 2. Persönliche und soziale Entwicklung 3. Gesundheit 4. Bildung und Leistung 5. Eine globale und multikulturelle Perspektive.
1. Physische und athletische Fertigkeiten
Bei Sport und körperlicher Betätigung geht es in der Hauptsache um Vergnügen, Spiel, Wettbewerb, Anstrengung und der Bewusstheit um die Verbindung zwischen dem Körperlichen und dem Geistigen bzw. Seelischen. Gefordert sind Konzentration und Bemühen. In Oure betrachten wir Sport, Spiel und Spass als etwas sehr Ernstes. Wir bemühen uns, bei so vielen wie möglich Lust und Freude am Sport zu wecken, zu vermitteln und zu entwickeln. Wir haben ein Bildungsumfeld geschaffen, in dem sportliche Qualifikationen und theoretische Betrachtungen und Reflexionen gleichermassen gefördert werden. Beim Sport geht es aber nicht nur um Reflexion. Er kann auch den Verlust des Ichs zur Folge haben, die totale Absorption, das heisst, individuelle Wünsche und Gedanken ordnen sich dem Ganzen unter, so wie eine Gruppe von Individuen zu einem reibungslosen, leistungsfähigen und selbstlosen Team wird. Solch eine vollständige Aufgabe in eine Tätigkeit ist an sich erfreulich und so gewinnbringend, wie es mit noch so viel individuellem Training oder Reflexion nicht erreicht werden kann.
2. Persönliche und soziale Entwicklung
Sport ist ein Bildungsträger für die Entwicklung persönlicher und sozialer Fertigkeiten, die weit über die Ausübung von Sport an sich hinausgehen. Neuzeitliche Management- und Organisationstheorien beziehen sich oft auf Erfahrungen aus der Welt des Sports, aus gutem Grund. Die Sportpsychologie, sowohl die praktische als auch die theoretische, führt zu einer grösseren persönlichen Einsicht und einem Verständnis sozialer Dynamiken und Wechselwirkungen. Was man beim Sport lernt, lässt sich auf eine sehr grosse Reihe anderer Bereiche und Situationen anwenden.
Nicht unwesentllich ist hierbei zu lernen, Teil eines Teams zu sein, die expliziten und impliziten Regeln zu erlernen und die Vorzüge und Grenzen anderer schätzen zu lernen. Kommunikationsfertigkeiten sind ein wesentlicher Aspekt eines gut funktionierenden Teams. Sport bedeutet auch, seine eigenen Grenzen zu finden und sie zu überwinden. Das ist in jedem beliebigen Lernprozess gleichermassen wichtig. Das heisst, in der Lage zu sein, eigene Ziele zu setzen und diese zu erreichen.
3. Gesundheit
Im Mittelpunkt des Oure Konzeptes stehen Gesundheit und Fitness. Eine unserer wichtigsten Zielstellungen ist es, unseren Schülern gesunde Gewohnheiten ebenso wie Kenntnisse über Physiologie und Ernährung beizubringen, die ihnen für ihr ganzes weiteres Leben nützlich sein können. Kurz gesagt, sie fit für das Leben zu machen. Wir ermutigen sie zu einem kritischen Herangehen an Informationen über Gesundheit und Ernährung. Wir sind keine Puritaner oder Spielverderber. Wir versuchen, den goldenen Mittelweg,, die Balance zwischen Spass, Disziplin, Sport und Training zu finden Wir tun auch das, was wir predigen. Die von uns zubereiteten Speisen sollen gut schmecken, satt machen, aber auch nahrhaft und gesund sein. Wenn immer möglich, verwenden wir Bioprodukte.
4. Bildung und Leistung
Der Besuch einer Sportschule gewährt eine Ausbildung, die darauf abzielt, Leistung zu erbringen und Fähigkeiten für das spätere Leben zu erwerben. Das College sieht es als eine seiner grössten Herausforderungen an, spezielle Kurse und Wahlfächer anbieten zu können, von denen einige zu formalen Fähigkeiten führen und, sagen wir mal, im Pflichtteil liegen, während andere sich wiederum mehr in der Kür finden lassen. Es liegt in der Natur unserer Schule, dass wir Qualifikationen anbieten können, zu denen man anderswo keinen Zugang hat. Unsere internationale Einstellung eröffnet Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Institutionen in anderen Ländern. Unserer Auffassung nach ist dies ein wichtiger Teil von Bildung.
5. Eine globale und multikulturelle Perspektive
Sport und körperliche Betätigungen sind von ihrem Wesen her universell. Sport ist ein Symbol globaler Kultur. Trotz einiger Kritik an den Olympischen Spielen in Bezug auf die Menschenrechte verkörpert Sport die Idee, dass wir Menschen frei und gleich geboren werden. Obwohl Sport mitunter dazu missbraucht wurde, nationalistischen Vorhaben zu dienen, ist es kein leeres Klischee wenn hervorgehoben wird, dass Sport eine zentrale Rolle dabei spielt, Brücken zu bauen, Kontakte zwischen verschiedenen Völkern herzustellen und das gegenseitige Verständnis zu vertiefen.
In einem multikulturellen Kontext hat Sport eine besondere Bedeutung. Menschen mit einem unterschiedlichen Hintergrund können ungeachtet ihrer Rasse oder ihres Glaubens in einer neutralen Umgebung zusammenkommen, in der die Regeln für alle gleich sind. Wir bemühen uns, das Interesse möglichst vieler Schüler mit unterschiedlichem Hintergrund zu wecken und einen Rahmen zu schaffen, in dem sie sich wohl fühlen können. Zu diesem Zweck erweitern wir beständig unsere Kontakte zu Institutionen in anderen Ländern.
Kurzer historischer Hintergrund
Die Volkshochschule
Obwohl Dänemark natürlich über ein staatliches Bildungssystem verfügt und vom siebenten Lebensjahr an Schulpflicht besteht, gibt es eine sehr starke Tradition mit unabhängigen Schulen und Colleges mit deren jeweils eigener Philosophie und eigenem Fokus. Die Institution “Volkshochschule” ist Teil dieses unabhängigen Sektors und hat eine lange Geschichte.
Die erste dänische Volkshochschule wurde 1844 gegründet. Die ihr zugrundeliegende Idee und Philosophie waren weitgehend das Werk des Geistlichen Nikolaj Grundtvig (1783-1872), einer Schlüsselfigur des modernen dänischen Sozialdenkens .Er hatte die Vision von einer Institution zur Verbreitung der “Volksaufklärung” auf der Grundlage von gegenseitigem Lernen und demokratischen Prinzipien. Die Bewegung wuchs und zog insbesondere junge Leute aus ländlichen Gegenden an. Obwohl die Schulen weitgehend unabhängig waren, so teilten sie doch die Leidenschaftlichkeit für die persönliche geistige Entwicklung und strebten danach, die Ideen des Christentums und des Nationalen in den Mittelpunkt zu rücken. Vielleicht war gerade diese Konzentration auf das speziell dänische Nationalgefühl die Ursache für die begrenzte Ausbreitung von Grundtvigs Ideen in anderen Ländern.
Einst war Dänemark ein weitaus grösseres Land als heute, denn Norwegen und Teile des heutigen Schwedens und Deutschlands gehörten dazu. Bis in das späte 19. Jahrhundert hinein war die Geschichte des Landes geprägt von Niedergang und Verlust, gipfelnd in der demütigenden Niederlage gegenüber den Preussen im Jahre 1864. Zur Überwindung des militärischen Misserfolgs und der Machterosion entstand eine Strömung, nach innen zu schauen und den Status- und Machtverlust durch einen verstärkten Bezug auf das Geistige zu kompensieren. In diesem Prozess war die Volkshochschulbewegung ein sehr wichtiges Instrument.
Obwohl der Gedanke in andere Länder exportiert worden ist, die USA einbegriffen, bleibt die Volkshochschule eine speziell dänische Einrichtung, in der auch weiterhin Gemeinschaft, Gleichheit und Demokratie im Mittelpunkt stehen. Da die Bevölkerung seither jedoch eine bessere Bildung erfährt und das Schulsystem universell geworden ist, konzentrieren sich heute viele Kurse eher auf spezielle Themen oder Fertigkeiten als auf eine grundlegende Allgemeinbildung.
Innerhalb der Volkshochschulbewegung nimmt Oure eine etwas kontroverse Position ein. Wir sind der Auffassung, dass die Bewegung im allgemeinen in ihrem Denken engstirning geblieben ist, zu sehr auf religiöse und nationale Ideale baut und dass die die Schulen kennzeichnende gemütliche Geselligkeit nur all zu oft dazu führt, Mittelmässigkeit im Namen der Gleichheit bereitwillig zu akzeptieren.
Wir meinen, dem Gedanken der Volksaufklärung neues Leben eingehaucht zu haben. Natürlich glauben wir an Gleichheit, insbesondere an Gleichheit der Möglichkeiten, meinen aber nicht, dass dadurch das Streben nach herausragenden Leistungen verhindert werden sollte. Sport ist ein besonders gutes Beispiel dafür, dass herausragende Leistungen ein wichtiges Ziel sind. Nicht jeder kann gewinnen, aber gewinnen ist wichtig. Wir vertreten auch die Auffassung, dass es in einer modernen multiethnischen und globalisierten Welt veraltet ist, Christentum und nationale Identität in den Mittelpunkt zu stellen. Der dänische Titel der umfassenden Darlegung unserer Werte lautet “Kurs auf Erneuerung” und damit verweisen wir auf unseren Versuch, die Volkshochschulbewegung in die moderne Welt einzubringen. Natürlich werden wir auch weiterhin an einigen der selben Werte festhalten, insbesondere was die Bedeutung der Gemeinschaft und die sozialen Aspekte der Bildung betrifft. Das ursprüngliche Ideal, dass Lehrer von den Schülern ebenso lernen können wie Schüler von den Lehrern, ist bei uns in Oure als einer lernenden Organisation tiefgreifend umgesetzt.
Diese radikale Abwendung von den trauten, wenn auch recht zerflederten Traditionen der ursprünglichen Väter der Bewegung hat uns jedoch wenige Freunde eingebracht. Viele haben uns auch dafür kritisiert, Sport in den Mittelpunkt zu stellen, da sie Sport nicht für ein seriöses Thema halten Hier scheiden sich die Geister. Sich Herausforderungen zu stellen, persönliche Grenzen zu überschreiten und das Zusammenspiel mit anderen zu erlernen, sind wichtige Aspekte des Sports, aber auch wichtige Aspekte in allen anderen Lebensbereichen, und somit meinen wir, dass Sport ein ausgezeichneter Träger einer breiten, umfassenden und liberalen Bildung ist.
Die grosse Anzahl an Schülern, die wir für uns gewinnen konnten, wurde von den traditionellen und konservativen Kreisen damit kleingemacht, dass sie behaupteten, wir würden unkritisch dem Zeitgeist frönen, indem wir Volksaufklärung, gehorsames Beisammensein und Allgemeinbildung durch Unterhaltung, Popmusik und narzistische Selbsterfüllung ersetzen. Die Medien trugen massiv zu diesem Bild bei, insbesondere was unsere Sommerkurse anbelangte. Die Schmutzpresse war auf der Jagd nach Bildern und Überschriften, und die story der Oure Colleges wurde nicht als ein Kulturkonflikt und eine moderne Auffassung von Sport präsentiert, sondern als eine Sache von “Golf-Ferien” auf Kosten der Steuerzahler. Wir haben nichts dagegen, das schwarze Schaf der Bildungsfamilie zu sein. Vielmehr gefällt uns diese Rolle eher, und ganz sicher schrecken wir nicht vor einer Debatte zurück.
Der Gesetzesrahmen
Am 1. Januar 2001 trat in Dänemark ein neues Gesetz über Hochschulen, Fortbildungseinrichtungen und Haushalts- und Gewerbeschulen in Kraft. Das war ein entscheidender Schritt hin zu einer Modernisierung und Anpassung des Wesens der Bildungseinrichtungen, mit dem sie in eine moderne, humanistische, säkulare und globale Bildungsperspektive und – kultur geführt wurden.
Das Gesetz hob nachdrücklich das breite und allgemeine Wesen dieses Institutionstyps hervor, erkannte aber gleichzeitig das von Institutionen wie Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen geforderte hohe Niveau an Spezialisierung und Fertigkeiten an. Das einzigartige Lernumfeld von Internatsschulen ermöglicht, dass sich die beiden Stränge - der breite und allgemeine und der spezialisierte und spezifische – wie eine “Symbiose des Existentiellen und des Instrumentalen” vereinen. Dieser Ausdruck ist dem Bericht entnommen, der von dem sogenannten Hochschulausschuss verfasst wurde, der an der Ausarbeitung des neuen Gesetzes beteiligt war.
Darüber hinaus wurde das eigentliche Lehrziel der unabhängigen Schulen neu definiert. Es geht auch weiterhin darum, die Schüler dazu zu motivieren, nützliche Bürger zu werden, die sich aktiv am demokratischen Prozess beteiligen, doch gleichermassen soll der Einzelne auf den vorausliegenden Bildungs- und Berufsweg vorbereitet werden.
Wie diese Aufgabe erfüllt wird, das muss jede einzelne Bildungseinrichtung für sich selbst entscheiden. In Absatz 1 dieses neuen Gesetzes heisst es, dass diese Wahl eher auf der Basis der grundlegenden Philosophie, der sich die jeweilige Institution verschrieben hat, zu treffen ist als auf der Grundlage irgendwelcher vorherbestimmter angenommener oder traditioneller “Kernwerte”, denen die unabhängigen Einrichtungen erwartungsgemäss beipflichten könnten. In der neuen Gesetzgebung sollte auch hervorgehoben sein, dass die unabhängigen Colleges auch die Freiheit zum Anderssein haben. Die traditionelle Diskussion, was eine “richtige” und was eine “nicht richtige” Hochschule ist, ist irrelevant. Jeder Institution steht es frei, ihr eigenes Konzept und ihre eigene Philosohie festzulegen und sie ist allein danach zu beurteilen, wie es ihr gelingt, diese als ein Werkzeug in dem Bildungs- und Lehrprozess einzusetzen, der die Brücke bildet zwischen dem Gewöhnlichen und Allgemeinen hin zum Spezifischen und Persönlichen. Dies einzuschätzen erfordert auch die aktive Beteiligung der Institution selbst, da die Philosophie ja nicht nur eine öffentliche Programmerklärung ist, sondern auch die Grundlage für eine kontinuierliche Selbsteinschätzung.
Der folgende Auszug aus dem Gesetz erklärt unsere Verantwortlichkeiten und einen der Gründe, warum wir dieses Dokument mit herangezogen haben:
“Bei der Formulierung ihrer Philosophie muss sich die Bildungseinrichtung darum bemühen, ihre potentiellen Schüler in die Lage zu versetzen, sich ein eigenes Urteil darüber bilden zu können, ob sie sich den dargelegten Bedingungen verschreiben wollen. Mit der Grundphilosophie werden Einschätzungsziel, -praxis und –mittel der Einrichtung definiert. Das Gesetz enthält eine Bestimmung, derzufolge jede Institution jährlich auf der Grundlage ihrer Philosophie eine Selbsteinschätzung vorzunehmen hat, unter Berücksichtigung der Ziele, die sie sich gestellt hat, wie diese zu erfüllen sind und welche tatsächlichen Ergebnisse erzielt worden sind. Eine solche Selbsteinschätzung ist in einer allgemein verständlichen Sprache und Form öffentlich zugänglich zu machen.”
Unsere philosophischen Wurzeln
Obwohl wir danach streben, modern zu sein und uns ständig darum bemühen lernen zu wollen, wie wir uns den Anforderungen einer zunehmend globalisierten Welt stellen sollen, haben wir unsere Werte und Philosophie nicht aus der Luft gegriffen.
Wir sind der Auffassung, dass eine Philosophie endgültig, vollkommen und ausgewogen sein sollte. Solch eine Philosophie ist ein Ausdruck für die Suche nach Werten und Axiomen, die bei der Lösung der Aufgabe, eine hervorragende und zeigemässe Bildungseinrichtung zu schaffen, den Weg weisen können. Im Idealfall hört dieser Prozess nie auf, denn das Definieren von Werten ist ein sich stets und ständig in Gang befindlicher Prozess. Bildung und Pädagogik gehen mit Entwicklung einher und daher werden neue, veränderte Umstände und Einsichten widerspiegelnde Vorschläge in der Zukunft gebraucht.
Die Philosophie des Internationalen Sportcollege Oure beruht auf der Fragmentierungskultur, die die Debatte um Bildung, Pädagogik, Sport und Kultur während der 60iger und 70iger Jahre prägte. Dabei wurden eine Reihe von Traditionen und beständiger Werte der Gesellschaft einer genauen kritischen Prüfung unterzogen und Ideen der kulturellen Befreiung, des Abbruchs von Traditionen, der Individualisierung und der Entwicklung einer antiautoritären Sicht der menschlichen Natur hervorgebracht. Eines der Egebnisse war die Entwicklung der modernen Pädagogik, eines neuen Herangehens an Bildung, die kritische Theorie für die dritten Bildungsinstitutionen und die nach vorn schauende experimentelle Idee von Schulung.
Unser Ausgangspunkt ist nicht das in Dänemark von Grundtvig und seinem Mitbegründer Kold festgelegte Programm zur religïösen und nationalen Erweckung. Wir verschreiben uns auch nicht der Auffassung von Körpererziehung, die die Volkssportbewegung beherrscht hat. Statt dessen sehen wir unser Herangehen an Aufklärung und Bildung als eine Verlängerung der fünfhundert Jahre alten europäischen humanistischen Tradition. Unser Ausgangspunkt ist die urbane Sportkultur und körperliches Training, was wir sowohl mit Faszination als auch mit kritischer Distanz betrachten.
Unser Ausgangspunkt sind die Bedürfnisse und Interessen der Schüler, die Welt wie sie heute ist, unsere eigenen Vorstellungen und Visionen und nicht Traditionen und überkommene Vorstellungen von Kultur. Die eurozentrische Periode ist vorbei, Globalisierung ist eine Realität und ein neuer technologischer und wissenschaftlicher Prozess ist im Gange. Die kulturelle Befreiung, die typischerweise die traditionelle Gesellschaft und ihre Werte erschüttert, ist ein globaler Trend. Die moderne traditionelle Industriegesellschaft wurde abgelöst durch eine ultra-moderne, hochtechnologische und globale Wissensgesellschaft. Das heisst, die Menschen in der modernen Welt müssen darauf vorbereitet sein, an einem ständigen Lern- und Entwicklungsprozess teilzunehmen. Wir müssen bereit sein, die Veränderlichkeit der Entwicklung selbst widerzuspiegeln und uns im gleichen Rhythmus zu verändern. Die Debatte über Werte wird sich in der Zukunft auf die Globalisierung, die demokratischen und sozialen Herausforderungen und ökologische und wissenschaftliche Themen konzentrieren. Eine Bildungseinrichtung, die aufklären und lehren will, muss einen Rahmen bilden um die beständige Diskussion und Erklärung von Werten in Bezug auf die grossen Themen. Sie sollte keine fertige Moral predigen, sondern zum Dialog anregen. Diesen Dialog herzustellen ist der zentrale Parameter in der Frage, ob wir das Recht haben, uns selbst als eine progressive und moderne Bildungseinrichtung zu betrachten, oder etwas mehr prosaisch, eine Voraussetzung dafür, dass sich junge Leute auch weiterhin für uns interessieren. Sprechen wir eine Sprache, die die jungen Leute, im allgemeinen und im besonderen, verstehen? Entspricht das, was unser College an persönlicher Entwicklung und Bildung bietet, den Anforderungen, denen junge Menschen gegenübstehen, wenn sie ihre individuellen Lebensstrategien aufbauen? Sind wir, sowohl als Individuen als auch als Institution, dazu bereit, uns dem Dialog anzuschliessen und dabei sowohl zu lehren als auch zu lernen?
Im Jahre 1993 produzierten wir für die Sommerkurse eine sogenannte “go-card”, auf der die vier geistigen “Väter” abgebildet sind, die die Kultur unseres College inspiriert haben Die Kombination des Sozialisten Pio, des Kulturradikalen Brandes, des Existentialisten Kirkegaard und des späten Grundtvigs war eine dreiste Provokation gegenüber den traditionellen Kreisen der Hochschulbewegung. Obwohl nicht ausdrücklich gesagt, war diese “go-card” einer der Gründe für den darauf folgenden “Golf (Kursus) -Krieg”in den Medien.
Trotz der absichtlichen Provokation, dennoch die Wahrheit. Die Spuren unserer Philosophie reichen weit, weit zurück, aber auch in die jüngere Zeit so um 1844. Bildung und Aufklärung betreffen in erster Linie die Selbstauffassung des Individiums. Wer sind wir – aus einer biologischen, historischen, kulturellen, psychologischen und existentiellen Perspektive? Und danach betreffen Bildung und Aufklärung eine Einsicht in die Wirklichkeit. Sind wir in der Lage, die Wirklichkeit über unsere Sinne und unseren Verstand mit Hilfe von Wissenschaft, Philosophie, Kunst und praktischer Tätigkeit zu verstehen? Und schliesslich betreffen Bildung und Aufklärung die persönliche Kompetenz, so dass wir leben und handeln und Mitglieder einer freien Gesellschaft sein können, in der wir die Verantwortung für uns selbst übernehmen und das Bedürfnis haben, unser Leben in einer Gemeinschaft zu verwalten. Somit schliessen Bildung und Aufklärung auch die Selbsterkenntnis und Wirklichkeitsauffassungen des Einzelnen als der Grundlage des Handelns ein. Die Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen, in der Lage zu sein, körperlich und geistig in Wechselwirkung mit unserer Umgebung zu stehen und so Herr unseres eigenen Schicksals zu werden. Wenn wir jedoch wählen, Bildung und Aufklärung als Grundlage für die Fähigkeit und das Vermögen der Menschen zu verstehen, eine freie Wahl zu treffen und dementsprechend zu handeln, müssen wir auch eine zentrale und fundamentale Frage stellen – die nach dem Platz des Menschen im Universum. Wer sind wir, und warum sind wir hier? Steht der Mensch im Zentrum, verantwortlich für die Erde und die Erhaltung der Art? Das ist eine anthropozentrische Weltanschauung.
Oder aber steht ein göttliches Wesen im Mittelpunkt, wie es in den grösseren Religionen heisst? Ist Gott der oberste Herr über Leben und Schicksal – und sind der Mensch und das Leben an sich in Wirklichkeit nur ein göttliches Experiment, bei dem die wahre Handlungsfreiheit des Menschen begrenzt ist? Das ist eine theozentrische Weltanschauung.
Wir haben uns dafür entschieden, den Menschen als den Mittelpunkt zu betrachten und unsere Bildungsphilosophie auf der anthropozentrischen, säkularen und humanistischen Tradition aufzubauen. Doch starten wir nicht ohne Vorgabe. Werte werden nicht nur so erfunden. Eine Philosophie lässt sich kaum aus der Luft greifen. Sie muss versuchen, ihren Platz in Tradition und Geschichte zu finden und die Entwicklung der menschlichen Zivilisation zu verstehen.
Wir haben vier eng miteinander verwandte Aufklärungsansichten und Bildungsideale zu unserem Fundament gemacht. Vorherrschend ist der europäische Humanismus, das klassische und moderne Projekt, das über mehrere hundert Jahre hinweg wuchs und von den Kulturen des alten Griechenlands und Roms inspiriert wurde. Das Projekt führte zur Bildung der modernen Vorstellungen von Körper, Sport und Pädagogik. Diese Anschauung ist universell und kosmopolitisch. Somit kann sie den Hintergrund bilden für eine multiethnische und multikulturelle Zusammenarbeit, denn sie hat keine engen nationalen, tradtionellen oder religiöse Grenzen. Auf der Grundlage dieser Philosophie behandeln wir Sport als einen universellen Bildungsträger Danach arbeiten wir, angeregt durch die moderne Soziologie, moderne, kritische und globale Bildungsideen und ethische Vorstellungen von Kommunikation ein. Schliesslich liefert die moderne Systemtheorie bedeutende Einsichten in das Wesen der Existenz lebender Systeme, der menschlichen Erkenntnis, der Kommunikation und der Lerntheorien.
Die europäische Aufklärung
Das europäische Aufklärungsdenken beruht auf einer befreienden, optimistischen, anthropozentrischen und säkularen Weltanschauung. Das Ziel war, eine auf die moderne Gesellschaft anwendbare Philosophie zu entwickeln, die ein Gleichgewicht schafft zwischen dem selbständigen und starken Individuum und den Interessen der Gemeinschaft. Die Ideen von Demokratie und Menschenrechten, dass alle Menschen frei und gleich geboren werden, ungeachtet Rasse, Religion oder Geschlecht, kamen in Konflikt mit den Ansichten der Kirche und der Amtsgewalten. Die auf einer theozentrischen und autoritären Auffassung der Welt beruhende theologische Kultur der Kirche stellte eine Weltordnung dar, die über Jahrtausende vorherrschte. Unter der Herrschaft der katholischen Kirche wurde die klassische Kultur unterdrückt, und interessanterweise traf das auch auf die Olympischen Spiele zu. Die Griechen waren der Auffassung, dass Bildung Musik, Intellekt, Politik und Sport umfassen sollte. Auch die Römer schlossen Sport in die Bildung mit ein, genau so wie Philosophie, Wissenschaft und Kunst.
Während der Renaissance gewannen diese alten Ideen erneut an Einfluss und die säkulare Kulturauffassung geriet in Konflikt mit der religiösen Weltanschauung. Dieser Konflikt ist bis heute nicht gelöst. Die Aufklärung gründete auf den Ideen der Renaissance, zum Teil unter der Einwirkung der revolutionierenden wissenschaftlichen Entdeckungen von Isaac Newton (1642-1727) und seiner Induktionsmethode. John Locke (1632-1704) leistete Gleiches auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften und Pädagogik. Die Grundlage für die Ideen von Menschenrechten und Demokratie war gelegt. Bildung spielte eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer modernen, freien und dynamischen Gesellschaft. Adam Smith (1723-1790) übertrug diese Ideen auf den Bereich der Wirtschaft.
Für Locke bestand kein Zweifel daran, dass körperliche Betätigung ein Kernstück der Bildung und der Entwicklung freier und unabhängiger Menschen mit freiem Willen und entwickelten Persönlichkeiten ist. In Lockes Philosophie wird die Identität eines Menschen von der Identität seines Körpers bestimmt.
In Frankreich und Deutschland wurde die Philosophie des Rationalismus entwickelt. Kant unterschied zwischen der von der Vernunft getriebenen Ethik und Wissenschaft und Empirismus. Auf der Grundlage ihrer Vernunft können die Menschen entscheiden, was ethisch ist. Kants Pflichtethik entsprang dem kategorischen Imperativ: “Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”. Dies erlaubte die Festsetzung von Werten und Ethik ohne die Einmischung der Kirche. Kant vertrat die optimistische Anschauung, dass Aufkärung und Bildung verantwortliche Werdensbürger schaffen könnten. Seine Auffassung war eher universell und kosmopoliitsch als nationalistisch. Er sah Religion als eine Privatsache an und betrachtete die Toleranz anderer Menschen als natürlich. Seinen Vorstellungen nach sollte die Weltgesellschaft auf universellen und säkularen Werten beruhen. Für ihn war körperliche Betätigung auch integrierter Bestandteil von Bildung.
Es ist nur natürlich, dass eine Bildungseinrichtung wie die unsere sich den Tradtionen anschliesst, die Sport und körperliche Betätigung als ein wesentliches Bildungswerkzeug ansehen. Unser Ausgangspunkt ist die von dem führenden Philosophen der Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau, formulierte Ansicht von Körper und Geist – oder Seele, wenn man will. Er versuchte, eine Einheit aus Rationalem und Emotionalem herzustellen. In seinem gesellschaftlichen Denken entwickelte er Gedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die zum Motto der Französischen Revolution wurden. Durch einen Gesellschaftsvertrag würden freie und gleiche Bürger das Individuum mit der Gesellschaft vereinen. Genau wie Kant hob er die Bedeutung von Toleranz und Religionsfreiheit hervor. Rousseau erfand eine moderne Pädagogik, die auf dem Gedanken der Erfahrung und der Entwicklung des Organismus und der Erfüllung des Einzelnen in Übereinstimmung mit der Natur beruht. Das Ideal war ein unabhängiger, selbstbewusster und verantwortungsvoller Bürger, der in der Lage ist, sich dank seines eigenen Gewissens in der Gesellschaft zu behaupten.
Rousseau zufolge brauchen wir Bewegung, da Wahrnehmung durch den Gebrauch des Körpers erfolgt. Und somit ist Sport also ein natürlicher Teil des Bildungsprozesses. Rousseau vermittelte den modernen Gegensätzen von Natur und Kultur, Individuum und Gesellschaft und Gefühl und Vernunft eine pädagogische Einsicht. Der Begründerr der modernen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin (1863-1937) sah Sport als ein zentrales Element moderner Bildung an, als ein universelles Werkzeug, das über nationale, soziale und kulturelle Grenzen hinweg wirksam werden kann. Das Idealprodukt einer solchen Bildung war ein humanistischer und demokratischer Weltbürger. Er war der Ansicht, dass durch Sport Qualitäten wie Selbstbeherrschung, Mut und Entschlossenheit entwickelt werden können, und dass Sport junge Leute dazu anspornt, demokratisch und tolerant zu sein und andere zu respektieren. Nebenbei erlangen Menschen, die sich von der Traditionsdisziplin und der Kirche freigemacht haben, körperliche und geistige Gesundheit und Lebensfreude.
Das klassische Ideal vom mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – das von dem britischen Philosophen Locke neu entdeckt worden war, erlangte durch Coubertins Bemühungen eine weitreichende Popularität. Er betrachtete Sport als das beste Werkzeug für die demokratische Bildung des modernen Menschen. Seiner Auffassung nach spielte Sport eine wesentliche Rolle in der modernen Demokratie, da er die Selbstkontrolle des Individuums entwickelte und das Bedürfnis nach beherrschenden und bestimmenden Autoritäten beseitigte. Eine auf die Physik aufbauende Bildung würde den Körper, den Intellekt, den Charakter und das Bewusstsein entwickeln, ebenso wie Gewissenhaftigkeit, Toleranz und Menschlichkeit. In vieler Hinsicht war Coubertin selbst reaktionär, und er huldigte dem vom Sport verkörperten Gleichgewicht zwischen Freiheit und Autorität als einem gesellschaftlichen Ideal. Sowohl gewinnen als auch verlieren will gelernt sein. In einer Gesellschaft, in der die Gesellschaftsperspektiven und das Wesen der Menschlichkeit nicht länger durch religiöse Dogmen definiert werden, ist Sport ein perfektes Mittel, moderne Bürger hervorzubringen. Coubertin sah dies als den einzigen Weg, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren. Er sah Sport nie als einen Endzweck an sich, sondern als ein Programm für die Zivilisation. Er schrieb: “Das Wichtigste im Leben ist nicht der Sieg, sondern der Kampf, und nicht zu gewinnen, sondern versucht zu haben.” Er betrachtete Sport als ein modernes Drama, eine Kunstform, die die Rolle der Religion und der Monarchie ersetzen konnte. Im Sport müssen Wissenschaftler, Humanisten, Architekten, Künstler, Schriftsteller und Sportler zusammenarbeiten, so wie sie es in der modernen urbanen Gesellschaft ganz allgemein tun.
Einflüsse des zwanzigsten Jahrhunderts
Die Ideen des modernen englischen Soziologen Anthony Giddens machten ebenfalls grossen Eindruck in Sportkreisen, insbesondere was moderne, kritische und globale Aufklärung betrifft. In Giddens Schriften findet sich der Begriff der globalen Staatsangehörigkeit, der den hinfälligen Geist des Nationalen ersetzen soll. Das Ziel ist eine auf kosmopolitischer Bewusstheit und Verantwortung beruhende globale Demokratie. Er sieht ein Weltparlament und einen Weltgerichtshof voraus. Ihm zufolge ist ein solches Herangehen unabdingbar, um die sozialen, demokratischen und umweltmässigen Probleme in Angriff nehmen zu können. Seinen Behauptungen nach bedarf es globaler Ideale, Visionen und Werte. Moderne Menschen brauchen mehrere Identitäten und Verantwortungen: lokale, nationale, europäische und globale. Solch ein Kosmopolitismus kann nur auf einer universalen und säkularen Weltanschauung beruhen, eine Reminiszenz an Kant’s kategorischen Imperativ.
Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist der Meinung, dass das moderne Aufklärungsprojekt widersprüchlich ist. Die westliche Zivilisation hat enorme Ergebnisse hervorgebracht, doch haben Liberalismus ebenso wie Sozialismus Verbrechen gegen die Menschheit herbeigeführt. Seiner Auffassung nach werden Vernunft und Wissenschaft gegen die Menschheit verwandt anstatt ihr zu nutzen. Er glaubt auch weiterhin an die Tradition der europäischen Aufklärung und der Fähigkeit der menschlichen Vernunft, eine sinnvolle und humane Welt zu schaffen. Während Philosophen wie Kant ihre Ethikkonzepte auf individuelle Sachverhalte gründen, betrachtet Habermas Ethik als das Ergebnis einer kommunikativen Wechselwirkung. Er verwendet Begriffe wie”Diskursethik” und “Kommunikatives Handeln”. Seiner Ansicht nach ist es für den demokratischen Dialog erforderlich, das kommunikative Handeln zu entwickeln. Indem wir über uns selbst und unsere Umwelt reflektieren, können wir entscheiden, was rational ist. Kommunikatives Handeln schliesst auch die Fähigkeiten des Einschätzens und Deutens ein. Für Habermas ist Bildung somit ein Prozess, in dem sich das Ich durch Kommunikation eine unabhängige und kritische Erkenntnis aufbaut. Sprache ist das besondere Kennzeichen der Menschen, und über Sprache und Selbstprüfung werden wir voll verantwortliche Mitglieder der Gesellschaft. Einige Kritiker seiner Ansichten weisen darauf hin, dass sich seine Philosophie, insbesondere wenn er das Kantsche Denken weiterführt, nicht wirklich auf das postmoderne Zeitalter mit seiner Globalisierung, den elektronischen Medien und anderen Technologien, die den Charakter der Kommunikation und des Dialogs verändert haben, anwenden lässt. Aber welche Alternative gibt es?
Existentielle Autogenesis – Kirkegaard
Ebenso wie Grundtvig war Kirkegaard ein frommer Christ, obgleich er Grundtvigs biblischem Fundamentalismus und Nationalismus nicht zustimmte. Statt dessen glaubte er an die Freiheit des Individuums, eine religiöse Wahl zu treffen, und wies somit den Weg zu den modernen anthropozentrischen Anschauungen von der Gesellschaft. Für viele ist Kirkegaard denn auch der Begründer des Existentialismus. Das Schicksal des modernen Individuums waren für ihn Freiheit und Sinnlosigkeit. Beim Streben nach Vergnügen und Zerstreuung als etwas Sinnvollem, gewinnt ein Gefühl von Absurdität unvermeidlich die Oberhand. Durch unsere ethischen Entscheidungen können wir die Verantwortung für unser eigenes Leben übernehmen. Für Kirkegaard war aber nur eine religiöse Wahl ein Gegenmittel zur Absurdität. Es sollte und kann nicht bewiesen werden, dass Religion wahr ist, denn sie liegt ausserhalb der Reichweite von Vernunft und Rationalem. Durch subjektive Entscheidungen schafft sich das Individuum selbst. Kirkegaards Ansichten waren von grosser Bedeutung für die religiöse wie auch für die säkulare Gedankenwelt. Die Freiheit und kulturelle Befreiung des Einzelnen mit Hinblick auf Werte und Traditionen in der modernen Gesellschaft macht die Verantwortung für die Schaffung unserer eigenen Existenz, Identität und Ethik zwingend notwendig. Existentialismus dreht sich um das Subjektive, die Menschen sind, was sie tun. Wir sind die Schmiede unseres eigenen Schicksals. Wir schaffen uns selbst in Erwiderung auf unsere Umwelt. Die Weisheit des Zweifels ist praktische Vernunft und Vernunft ist subjektiv. Kirkegaard wählte die Religion. Heute sehen wir Versuche, traditionelle und religiöse Verhaltensweisen zu neuem Leben zu wecken. Die meisten Menschen entscheiden sich jedoch für Freiheit und persönliche Verantwortlichkeit. Die Wahl unserer eigenen Werte und Lebensprojekte bedeutet nicht, dass nichts wichtig ist und Nihilismus gewonnen hat. Wir haben die Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen und als soziale Wesen sind wir den von uns getroffenen Entscheidungen verpflichtet. Entscheidungen betreffen nicht nur die Ethik, sondern auch die Ästhetik.
Der Körper
Als der fransösische Philosoph Descartes die berühmten Worte cogito, ergo sum (ich denke, also bin ich) schrieb, definierte er den Menschen als ein intellektuelles Wesen und förderte den Dualismus von Leib und Seele, der in der westlichen Kultur über viele Jahrhunderte hinweg existiert hat. Der spätere französiche Philosoph und Soziologe Maurice Merleau-Ponty hob in seiner bahnbrechenden Philosophie die Bedeutung des Leibes in unserer eigentlichen Natur und in unserer Wahrnehmung der Welt hervor. Ihm zufolge existieren Menschen nicht in einer objektiven Welt, sondern in einer “gelebten Welt”, in der der Körper, der “gelebte Leib” ein vitales Teil ist, da das Ich in Zeit und Raum existiert und Zeit existiert, da wir sie gleichzeitig mit anderen leben. Wir erfahren die Welt über unseren Körper, machen unseren Körper, unsere Umgebung, unsere Sprache und Erkenntnis zu einer Gesamtheit. Durch Betätigung lernen wir unseren Körper und uns selbst kennen.
Merleau-Ponty stand unter dem Einfluss des deutschen Philosophen Edmund Husserl (1859-1938), dessen Ausgangspunkt der Gedanke war, dass unsere Erfahrung “meiner selbst in dieser Welt” die grundlegende menschliche Erfahrung ist. Es ist nicht möglich, zwischen unserem Bewusstsein und objektiver Realität zu unterscheiden. Darüber hinaus ist unsere Erkenntnis intentional, Bedeutung ist nicht ein Endzweck, sondern zielt immer auf etwas anderes ab.
Wir haben eine doppelte Beziehung zu unserem Körper, wir haben einen Körper und wir sind unser Körper. Die Arbeiten Merleau-Ponty’s bringen den Zwillingsbegriff “Körperbild” und “Körperschema” hervor. Das Bild von unserem Körper ist eine bewusste Perzeption unserer Körper, Fakten, Analysen und ästhetischen Urteile. Schon Kinder leben in ihren Körpern bevor sie sich deren bewusst werden. Damit wird angedeutet, dass es eine Wahrnehmung unseres Körpers gibt, die weit mehr fundamental ist als Bewusstheit. Ein extremes Beispiel dafür, wie das “Körperschema” arbeitet sind die Fälle, bei denen einem Patienten ein Glied amputiert wurde, er dieses aber noch “fühlen” kann.
Luhmann und die Gesellschaft
Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann (1927-1998) begründete eine soziologische Systemtheorie, in der die Kernelemente der Gesellschaft Kommunikationssysteme sind, mit einer jeweils spezifischen und konstant in dieser Kommunikation reproduzierten Identität.. In Anlehnung an die Welt der kognitiven Biologie nennt Luhman den Prozess, durch den Systeme reproduziert werden, Autopoiesis , was so viel wie Selbsterzeugung bedeutet. Ein Teil des Autopoiesisprozesses reproduziert Elemente, die zuvor aus einer überkomplexen Umwelt gefiltert wurden. Wir meinen, dieser Prozess der Selbstgestaltung ist für uns von grosser Relevanz. Ein Aspekt dabei ist nämlich die Verantwortlichkeit des Individuums für seine Selbstgestaltung, das eigene Lernen und Wissen. Doch kann die Umgebung, in der wir dies tun, bei der Bestimmung dessen, was wir erwerben, behilflich sein. Obwohl Luhmann’s Ideen noch nicht sehr weit verbreitet sind, betrachten wir diesen Typ von Systemtheorie als ein neues Paradigma, das auf unsere Vorstellungen von sowohl Lernen als auch Organisationen und Gesellschaft einwirkt.
Fünf Fragen, auf die wir nach einer Antwort suchten
Mit der vorhergehenden und zwangsläufig vereinfachten Darstellung der philosophischen Hauptrichtungen innerhalb der Tradition, der wir uns verpflichtet fühlen, wollten wir unter anderem auch die Kritiker zum Schweigen bringen, die da meinen, dass wir ganz trivial dem Hedonismus und der Mode frönen, wenn wir Sport in den Fokus rücken. Wie ersichtlich ist, sind unsere Werte humanistisch und säkular. Sie enthalten Gedankengut, das für die alten Griechen und Römer nichts Aussergewöhnliches wäre (doch einigen unserer Kollegen aus der Bildungswelt des heutigen Dänemarks kontrovers erscheinen mögen) . Wir knüpfen an die grosse europäische Aufklärungstradition an, lassen uns inspirieren von weitaus jüngeren philosophischen Konzeptionen, die ein Bindeglied herstellen zwischen Körper und Intellekt und dem eigentlichen Wesen des Individuums, greifen aber auch jüngste Ideen von Organisationstheorien, Lernprozessen und den Bildungsimperativen in einer globalen und multikulturellen Gesellschaft auf.
Aus einer solchen breiten historischen und philosophischen Perspektive heraus wollten wir die Werte unseres Colleges in einer klaren, umfassenden und konkreten Form zum Ausdruck bringen. Mit viel Ernst- und Gewissenhaftigkeit gingen wir an die Formulierung unserer Grundphilosophie heran. Alle Parteien, die Lehrer ebenso wie das praktische und administrative Personal und die Leitung , wurden dabei mit einbezogen. Im Laufe des Schuljahres 2000/2001 führten wir eine Reihe von Gruppendiskussionen über die auf diesen Seiten vorgestellten Konzepte und Philospie durch. Diese wurden in ihrer Gesamtheit diskutiert und auf einem 2-Tage Seminar von allen Beteiligten verabschiedet.
Bei den Diskussionen und der Formulierung der Philosophie unseres Colleges hatten sich fünf zentrale Fragestellungen herauskristallisiert, auf die wir eine Antwort finden mussten:
1. Was verstehen wir unter Bildung? 2. Wie verstehen wir Sport und Körperkultur? 3. Wie kombinieren wir das Spezifische und Spezialisierte mit dem Allgemeinen? 4. Was verstehen wir unter Lernen und Fertigkeiten? 5. Was meinen wir, wenn wir sagen, dass das College eine lernende Organisation sein sollte?
Unsere Antworten
In unserer Philosophie sind die ersten drei Fragestellungen so unzertrennlich miteinander verbunden, dass wir sie zusammen beantworten wollen. Dabei gehen wir von den Bedürfnissen und Interessen der Schüler in der heutigen Welt und unseren eigenen Vorstellungen und Visionen aus, nicht von Tradition und veralteten Kulturbegriffen. In unserem Konzept finden sich fünf Aspekte, die bei der Bildung eine wesentliche Rolle spielen, nämlich
der ethische der wissenschaftliche der psychologische der kulturelle und der ästhetische Aspekt
Der ethische Aspekt
In der Tat hat es nie wahrhaft universale Werte oder Traditionen gegeben. Diejenigen, die sich nach ihnen sehnen und um sie trauern, sind oft romantische Nostalgiker. Doch wahr ist, dass heute ein gut Teil Unsicherheit herrscht, was die Moral und die Ausrichtung der Gemeinschaft anbelangt. Durch die Säkularisierung und die Zerrüttung von Traditionen bleiben viele Fragen offen. Bei dem Versuch, auf Gegenseitigkeit beruhende Werte aufzustellen, dürfen wir das multikulturelle Wesen der modernen Welt und der sich in ihr befindlichen Gesellschaften nie aus den Augen verlieren. Ethik ist im Kern ein Satz Verhaltensregeln. Wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben, Teams bilden und Verantwortungen teilen müssen, ist für die Festlegung von Werten ein Rahmen geschaffen. Für uns besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass die Zwanglosigkeit an unserem College dabei von grossem Vorteil ist, bietet sie doch die Möglichkeit, dass die Werte von denen entwickelt werden, die von ihnen betroffen sind. Die Ideen von Existentialisten wie Kirkegaard und Sartre sind somit nicht nur trockener Stoff für das Klassenzimmer, sondern können viel zu diesem Prozess beitragen.
Der wissenschaftliche Aspekt
Sportausbildung, körperliches Training und Ernährung beruhen in der Tat, obwohl oft implizit, auf wissenschaftlichen Prinzipien. Wir bemühen uns, die Verknüpfung von Mathematik, Physik, Biologie und Sport deutlich zu machen. Allein mit dem Berechnen des Kalorienverbrauchs in einer Aerobikstunde ist uns ein vortreffliches Mittel in die Hand gegeben, Wissenschaft zu lehren. Für jeden Sportinstrukteur von heute sind gründliche und weitreichende Kenntnise der Naturwissenschaften von grosser Bedeutung. In Bereichen wie der Biologie ist der Dualismus zwischen dem Physischen und dem Psychologischen schnell aufgehoben, und die jüngste Forschung hat uns spannende Wege eröffnet, uns als kommunikative Systeme zu betrachten, wo Biologie und Kybernetik einander treffen. Die jüngsten Probleme in Verbindung mit Doping im Konkurrenzsport rücken mehr denn je die Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Verständnisses in der Debatte zur Sportethik in den Vordergrund. Wenn es um Gesundheit und gesunden Lebensstil geht, sind die Naturwissenschaften unvermeidlich. Gelernt sein will auch, wirklich wissenschaftlich Begründetes von irren Einfällen und Modephänomenen trennen zu können und dieses Wissen weitgehend zu verbreiten und zugänglich zu machen.
Der psychologische Aspekt
Auf dem Gebiet der Sportpsychologie finden sich drei sehr unterschiedliche Denkrichtungen: die psychoanalytische und psychodynamische, die der Verhaltensforschung und die kognitive. Somit setzt das Studium der Sportpsychologie das Studium der Haupttendenzen der theoretischen Psychologie im allgemeinen voraus. Die Unterschiede dieser Theorien in der Betrachtungsweise der menschlichen Natur eröffnen Perspektiven für Ethik und Existentialismus auf der einen Seite und Kultur und Gesellschaft auf der anderen. Auch die jüngsten Ergebnisse der Gehirnforschung und Kybernetik weisen auf die Bedeutung der Naturwissenschaften hin. Sportpsychologie schliesst auch Sozialpsychologie, Unternehmensleitung und Organisationstheorie ein, wie das konkret zum Ausdruk kommt beim team-building und den Teamwork-Theorien. Ein solches Studium wird den Schülern späterhin von Nutzen sein, welchen Weg sie auch immer wählen mögen. Mit einem solchen Psychologiestudium werden die Schüler in die Lage versetzt, Fup von Wahrheit unterscheiden zu können, wie zum Beispiel auf dem Gebiet von Ernährung und Gesundheit. Es kann auch hilfreich sein bei der Deutung von Texten und der Analyse von Bildern und Filmen oder anderen Medien. Unserer Auffassung nach ist dies ein sehr wichtiger Teil der von uns angebotenen Allgemeinbildung.
Der kulturelle Aspekt
Hierunter verstehen wir die Entwicklung einer Perspektive, die das Historische, die Gegenwart und die Sicht der Schüler auf die Zukunft vereint. Als Hintergrund wählen wir das Kulturerbe (judeo greco), das in der klassischen Kultur und dem Christentum zum Ausdruck kam und sich dann über die Renaissance, die Reformation und die Aufklärung in der modernen europäischen Kultur und Gesellschaft herauskristallisierte. Wir schauen auf den Kampf zwischen Tradition und Religion auf der einen Seite und Säkularisierung, Wissenschaft, Emanzipation und Demokratie auf der anderen. Das schliesst auch das Studium moderner Theorien über die Beziehung von Körper und Geist ein. Die Studien führen zu Debatten über das Nationale und die Globalisierung und die neue moderne globale Gesellschaft mit universalen Werten und Verhaltensregeln. Unserer Auffassung nach befindet sich die Gesellschaft gegenwärtig im Übergang von einem Kultur- und Gesellschaftsparadigma zu einem anderen, von einer Industriegesellschaft zu einer globalen massenkommunikativen Wissensgesellschaft, in der Individualisierung und kulturelle Befreiung auf der Tagesordnung stehen. Hier nur einige der von uns angesprochenen Themen: Sport heute und in der Zukunft, Lebensstil und Identität, die IT Revolution und ihre Verwicklungen und die Globalisierung.
Der ästhetische Aspekt
In einer Welt, in der sich traditionelle, religiöse, ethische und menschliche Werte in der Krise befinden, ist es vielleicht angebracht, sich mit etwas zu beschäftigen, bei dem Werte vorwiegend intuitiv und emotional wahrgenommen werden. Kunst in jeder Form hat ihre eigene Sprache und eigenen Symbole, die auf einer nicht-rationalen Ebene Bedeutung und Kontext schaffen. Der postmoderne Mensch ist ambivalent. Auf der einen Seite suchen wir über das Denken nach Antworten und Bedeutung, während wir auf der anderen Seite danach streben, uns durch Sport, Erfahrung der Natur und Kunst etwas Grösserem unterzuordnen. Ebenso wie in der Kunst gewinnt beim Sport Erfahrung immer mehr an Bedeutung. Bei dem totalen Aufgehen in einen Fussballkampf, einen Skilauf, Tanz, Musik oder Kunst durchlaufen wir einen Prozess der Konzentration und Aneignung. Konzentration und Training sind der Schlüssel zur Erfahrungs-und Bedeutungswelt. Es gibt viele Arten von Intelligenz und mit Hilfe der Ästhetik und Kunst können wir auch mit den Schülern kommunizieren, denen es sonst schwer fällt, sich mit der Sprache der Logik und Theorie auszudrücken.
Was verstehen wir unter Lernen und Fertigkeiten?
Wir wollen mit dem Versuch beginnen, “Lernen” in einer Weise zu definieren, die es uns erlaubt, einen Unterschied zu machen zwischen Lernen und dem mehr traditionellen Begriff “Lehren”. Unserem Verständnis nach steht der Begriff Lernen für einen komplexen Prozess, der das emotionale und kognitive Innenleben eines Schülers einschliesst. Lernen ist eine sich überall und jederzeit vollziehende innere Dynamik. Lernen fordert die ganze Person. Die modernen Vorstellungen vom Lernen brechen mit den traditionellen Vorstellungen von Pädogogik, die ihre Aufgabe lediglich darin sahen, dem Schüler gewisse Fertigkeiten, eine festgelegte Menge an Wissen oder bestimmte Haltungen beizubringen. Nun verlagert sich der Fokus von den Lehrern und Zielen der Schule hin zu den Bedürfnissen, Erfordernissen und Interessen der Schüler. Lernen vollzieht sich im Innern eines Individuums und innere wie auch äussere Anforderungen lösen komplizierte emotionale und kognitive Prozesse aus. Lernen findet natürlich auch weiterhin in organisierten Lehrsituationen statt, schafft nun aber auch Raum für sowohl zielgrichtete als auch ziellose Betätigung, wie zum Beispiel Lesen oder den Gebrauch anderer Medien, soziales Miteinander oder sportliche Betätigung..
Knud Illeris, ein dänischer Bildungsforscher, beschreibt Lernen als:
“einen integrierten Prozess, der zwei miteinander verwandte und aufeinander einwirkende Unterprozesse umfasst. Der erste ist ein wechselseitiges Spiel zwischen dem Individuum und der Umgebung – entweder durch direkten Kontakt oder über verschiedene Medien (ein Buch lesen oder ein Band hören sind auch interaktive Prozesse). Der zweite ist das innere psychologische Erwerben und Verarbeiten, was zum Lernergebnis führt.”
In der Definition von Illeris besteht Lernen aus drei Dimensionen: Die erste ist die kognitive und betrifft Fertigkeiten und/oder sinnvollen Inhalt und schliesst Illeris zufolge die Motorik ein. Die zweite ist die psychodynamische, so die Nutzung psychologischer Energien wie Emotionen, Haltungen und Motivationen. Die dritte ist die soziale, da das Individuum stets in direkter oder indirekter Beziehung zu seiner Umwelt steht, gleichermassen verkörpert durch enge soziale Beziehungen und die Gesellschaft allgemein oder global.
Dem Modell von Illeris haben wir zwei zusätzliche Dimensionen hinzugefügt. Zum einen die in unseren Körpern verankerte physische und motorische Dimension. Durch unsere Körper und Sinne lernen wir und entwickeln Bewusstheit über unsere Körper, wie es in den soeben beschriebenen drei Prozessen ja bereits enthalten ist. Zum anderen die existentielle Dimension, die Schaffung von Meinungen, Haltungen und Ethik, wie auch schon in den Dimensionen von Illeris enthalten. Doch fügen wir dem unter Anlehnung an den Psychologen Carl Rogers (1902-1987) hinzu:
“die existentielles Lernen und Entwicklung betreffende existentielle Dimension schliesst fundamentale persönliche Dimensionen ein. Existentielles oder signifikantes Lernen vereint das Logische mit dem Intuitiven, den Intellekt mit den Gefühlen, Begriffe und Wahrnehmungen, Ideen und Bedeutung. Auf diese Weise lernen wir als ganze Menschen ….”
Bei der Diskussion, die sich mehr mit dem Lernen als mit dem Lehren befasst, geht es nicht einfach um Didaktik und Methodik. Der Gedanke vom Lernen muss im Lichte der modernen technologischen Entwicklung gesehen werden, die an alle im Bereich der Bildung Tätigen neue Ansforderungen stellt. In einer Zeit mit Veränderung als der einzigen Konstanten und Individualismus als dem vorherrschenden Ausgangspunkt werden neue Anforderugen gestellt an die Bildung und das Entwickeln von Fertigkeiten Heute sprechen wir von “der Notwendigkeit des lebenslangen Lernens”. Das ist kein leeres Klischee. Veränderung schliesst Veränderung des Wissens, der Fähigkeiten und Wahrnehmung ein. Lebenslanges Lernen ist von grösster Wichtigkeit für jeden, der nicht als blosser Zuschauer seines eigenen Lebens enden will.
Ein einfacheres Motto in dieser Beziehung lautet : “Lernen heisst lernen, wie gelernt wird ”. Das ist zwar ein wenig sehr vereinfacht, und daher möchten wir kurz einige Schlüsselpunkte in der Entwicklung der modernen Lerntheorie darlegen.
Einen bedeutenden Einfluss hatte die kognitive und konstruktivistische Theorie von Jean Piaget (1896-1980), derzufolge sich die Menschen ihr eigenes Bild von der Welt aufbauen. Von einem biologischen und genetischen Standpunkt ausgehend behauptete Piaget, dass Kinder Wahrnehmungen in einer Reihe von Stadien entwickeln. Er betrachtete Lernen als einen Gleichgewichtsprozess, bei dem das Individuum mittels – wie er es nennt - Adoption, danach strebt, ein Gleichgewicht zu seiner Umwelt aufrechtzuerhalten. Er bestimmte zwei Lerntypen: Assimilation und Akkomodation. Der dänische Psychologe Thomas Nielsen fügte dem einen dritten hinzu und schuf somit folgendes Modell:
1. Akkumulation = angesammeltes Lernen. Das ist ein mechanischer Prozess wie Auswendiglernen oder einfache Motorik.
2. Assimilation = ergänzendes Lernen. Das heisst, Wissen und Fertigkeiten durch Anwendung bereits bestehender Muster oder physischer Strukturen zu entwickeln. Anders ausgedrückt, ein Prozess des progressiven Aufbauens.
3. Akkomodation = bahnbrechendes Lernen. Das “Aha”-Erlebnis, bei dem eine vollständig neue Art der Erkenntnis dämmert.
Diese drei Lerntypen wirken parallel, die volle Entfaltung des Individuums erfolgt jedoch durch Akkomodation. Ein ähnliches Konzept wird mit dem Begriff “signifikantes Lernen” bezeichnet und bedeutet radikales und verwandelndes, das den Charakter des Individuums entwickelndes Lernen,
Gregory Bateson, eine zentrale Figur in der Entwicklung des Konstruktivismus und der Systemtheorie, prägte den Begriff “double bind learning”. Dies vollzieht sich in paradoxen Situationen, die eine neue Art der Problemlösung erforderen, wo sich die üblichen Vorstellungen und Gewohneiten nicht anwenden lassen und einen qualitativen Sprung im Denken und Handeln erfordern. Solche kritischen double bind Situationen führen zu Veränderung der Persönlichkeit und der Notwendigkeit zu lernen wie gelernt wird.
Ein anderes Schlüsselkonzept beruht auf der Arbeit des amerikanischen Psychologen John Dewey, der in den letzten zwei Jahrzehnten sehr populär wurde, und handelt vom “learning by doing” Lernen mittels Projektarbeit und Problemlösung. Dieser einfache Gedanke, dass Erfahrung zu Erkenntnis und Wissen führt, resultierte in der Formulierung dessen, was als Lernzyklus bekannt ist:
1) konkrete Erfahrungen führen zu 2) reflektierenden Beobachtungen, die führen zu 3) der Schaffung abstrakter Begriffe und theoretischer Reflexion und dann zu 4) aktivem Experimentieren, was zurückführt zu 1) konkreten Erfahrungen – und der Zyklus beginnt von vorn.
Physisches und soziales Lernen – Lernen als Sozialtraining
Das College schafft einen Rahmen für sowohl formelle als auch informelle Lernprozesse. Formelles Lernen findet zum Beispiel unter der Leitung eines Lehrers oder Instrukteurs statt, Situationslernen. Der Gedanke vom Lernen als Sozialtraining deutet an, dass ein Grossteil des Lernens ausserhalb formaler Erziehungssituationen erfolgt. Insbesondere in der Welt des Sports finden sich oft Situationen, in denen ein erfahrener Trainer einen Schüler instruiert, und dieser Wissen durch Beobachten des “Meisters” erwirbt.
Wir möchten vier Aspekte des Lernens als Sozialtraining hervorheben:
Lerngemeinschaft – Lernen erfolgt in einer Gemeinschaft, in der die Schüler nach und nach Schlüsselfertigkeiten, -wissen und –werte erwerben
Erwerb einer fachlichen Identität – Lernen entwickelt fachliches Können und das wiederum eine persönliche Identität und ein Bild von sich selbst
Lernen ohne formales Lehren – Lernen durch Beobachten, Nachahmen und eigenem Handeln
Beurteilung durch Handlung – Beurteilung ergibt sich aus stetigem Feedback auf die Handlung
Sport ist oft informelles Lernen, das Beobachten von Instrukteuren, Trainern und Lehrern , die mit ihren Beispielen zu Vorbildern werden. Hiermit wird breiter Raum geschaffen für die psychologische Identifizierung, denn Bewunderung und Respekt haben entscheidenden Einfluss bei der Herausbildung von Werten und Haltungen .
Soziales Lernen trägt signifikant zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Das physische und soziale Lernen am College fördert nicht nur die Herausbildung sozialer und sportlicher Fertigkeiten, sondern sie sind ein wichtiger Teil der Identitätsbildung und der Entwicklung der Persönlichkeit und des Charakters.
Fähigkeiten
Unter dem Eindruck des Übergangs von der Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft ersann ein dänisches Expertenpanel mit Mitgliedern wie Professor Per Schultz und dem Geschäftsmann Lars Kolind eine Klassifizierung von Fähigkeiten. Das Panel bestimmte vier Kernfähigkeiten:
Lernfähigkeit Die Fähigkeit, sich Fachwissen anzueignen und es bei der Lösung von Problemen anzuwenden. Lernen können, wie gelernt wird, gemeinsam mit anderen lernen und an interkulturellen/cross-cultural Lernprozessen teilnehmen zu können. Die Fähigkeit, Wissen, Können und Fertigkeiten miteinander verbinden zu können. Schlüselwort: Reflexivität.
Fähigkeit zur Veränderung Die Fähigkeit, sich Neuem anpassen zu können, flexibel zu sein und einen Überblick zu bewahren, veraltete Erkenntnisse aufzugeben und persönliche Entwicklung in einen Lebensstil zu verwandeln. Schlüsselwort: Flexibilität.
Beziehungfähigkeit- oder soziale Fähigkeiten Die Fähigkeit, mit anderen zu arbeiten, zu kommunizieren, Netzwerke aufzubauen, und gemeinsam mit anderen Verantwortung zu übernehmen, sich in andere hineinversetzen zu können. Schlüsselwort: Empathie.
Urteilsfähigkeit Die Fähigkeit, Werte und ethische Fragen handhaben zu können, das Interpersönliche zu verstehen, mit Bekanntem und Unbekanntem fertig zu werden und sein eigenes Leben existentiell betrachten zu können. Schlüsselwort: Persönliche Verantwortung.
Wir in Oure haben unser eigenes Modell mit vier mit dem Lernprozess angestrebten Kernkompetenzen entwickelt.
Körperliche und sportliche Fertigkeiten Wir unterscheiden zwischen körperlichen und sportlichen Fertigkeiten. Mit körperlichen Fertigkeiten meinen wir Bewusstheit des Körpers, normale Motorik, grundlegende Entwicklung und Aufbau des Körperschemas. Mit sportlichen Fertigkeiten meinen wir das Erlernen bestimmter Bewegungsmuster, Techniken und Regeln, aber auch das Erlangen praktischer und theoretischer Kompetenz in Bezug auf Körper und Sport. Hierbei greifen wir zurück auf Naturwissenschaften, Psychologie, Soziologie und Ästhetik. Diese Fertigkeiten resultieren aus einer Kombination der Lehre vom Körper, der Motorik und Ästhetik und theoretischer Reflexion.
Soziale und kommunikative Fertigkeiten Sie entsprechen in etwa den in vorstehendem Modell beschriebenen Fähigkeiten zu Veränderung und den sozialen Fähigkeiten. Sie nehmen Bezug auf den ethischen Diskurs, Demokratieverständnis, praktische und theoretische Einsicht in die Gesellschaft, soziale Systeme, Kommunikation, Empathie und soziales Verhalten.
Persönliche Fertigkeiten Sie entsprechen in etwa den im vorstehendem Modell beschriebenen Fähigkeiten der Urteils-und Meinungsbildung. Sie betreffen interpersönliche Fertigkeiten und die Fähigkeit, subjektive, existentielle und emotionale Problemstellungen bewältigen zu können. Sie schliessen auch die Fähigkeit ein, Theorie und Praxis und das Kognitive zu verbinden. In der Terminologie der Lerntheorie nehmen sie Bezug auf kognitives, psychodynamisches und existentielles Lernen aus psychologischer, existentieller und ästhetischer Perspektive.
Wissen und theoretische Fertigkeiten Wir wollen sichern, dass unsere Schüler theoretisches Wissen und Kenntnisse der Naturwissenschaften, Philosophie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik, Ästhetik und Musik erwerben. Das hat nicht nur Bedeutung für die Persönlichkeit, sondern auch für die kontinuierliche Bildung und den Erwerb von Qualifikationen.
Was meinen wir, wenn wir das College zu einer lernenden Organisation machen wollen ?
Zur Erreichung unserer Ziele, der lernenden Organisation und Organisationslernen, benötigen wir ein Lernumfeld, in dem alle an der Ausführung von Aufgaben beteiligt sind und von dem Prozess lernen. Damit sollen die persönliche Entwicklung des einzelnen Schülers und seine Qualifikationen gefördert werden, das heisst, er soll Fähigkeiten erwerben, die sein Leben bereichern und Kernfertigkeiten für das Arbeiten in der Wissensgesellschaft sind, nämlich soziale und kommunikative Fertigkeiten, Systemdenken und lernen, wie gelernt wird.
Das College ist eine lernende Organisation in dem Sinne, dass hier immer und überall Organisationslernen erfolgt, ob sich die Schüler und Angestellten dessen bewusst sind oder nicht. Eine Internatsschule bietet ganz besondere, ja einmalige Möglichkeiten, “junge Menschen zum Lernen zu bringen und sich dem Leben junger Menschen zu nähern”, wie Ulla Ambrosius Madsen in ihrem Buch über Fortbildungseinrichtungen schreibt. Über einen längeren Zeitraum hinweg wohnen die Schüler eng beieinander und teilen sich Häuser/Wohnungen. Somit sind optimale Bedingungen für die Entwicklung sozialer und kommunikativer Fertikeiten geschaffen. Der Unterricht an sich ist eine sinnvolle Erfahrung und fördert die persönliche Entwickung, nicht zuletzt aufgrund der starken, im sozialen und sportlichen Leben enthaltenen emotionalen Komponente. Dies wird durch die Betonung der körperlichen Fertigkeiten in einem so engen sozialen Umfeld nur noch verstärkt.
Die derzeitigen Theorien über lernende Organisationen sind noch nicht ausgereift, ihre Entwicklung ist ein interdisziplinäres Projekt unter Einbeziehung von Biologie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Ethik, Kybernetik, System-, Organisations- und Informationstheorie u.ä. Die Erfahrungen aus der Welt des Sports mit ihren Kernelementen wie teamwork und Leistung sind dabei nicht ganz unbedeutend.
Im letzten Jahrzehnt haben Manager, Verwalter, Forscher und Pädagogen überall in der westlichen Welt dem Begriff der lernenden Organisation grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Nun, wo die Industriegesellschaft übergeht in die Wissensgesellschaft, in der Fähigkeiten wie systematisches Denken, Zusammenarbeit, Kommunikation und nicht zuletzt die Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen hinweg gefragt sind, spielen soziale und kommunikative Fertigkeiten eine immer grössere Rolle. Die mechanische Struktur der Industriegesellschaft verwandelt sich in eine organische Struktur der Wissensgesellschaft.
Der dänische Philosoph Ole Thyssen schreibt. “Eine Organisation ist ein soziales System, das wie andere soziale Systeme aus Kommunikation besteht, doch im Gegensatz zu anderen sozialen Systemen ist das Beschlussfassen ihr zentrales Element … Eine Organisation ist ein Netzwerk von Entscheidungen, die neue Entscheidungen in einem Netzwerk von Entscheidungen schaffen. Alles in einer Organisation wird entschieden, oder es wird vorausgesetzt, dass es entschieden wird.”
Das Internationale Sportcollege Oure ist ein solches System mit zahlreichen Untersystemen, nennen wir zum Beispiel die Häuser, in denen die Schüler wohnen, die Instrukteurteams, die Gruppen in der Verwaltung, und die Angestellten für das Praktische usw. Mit bewussten Initiativen kann die Arbeit der Organisation insgesamt und die der einzelnen Untergruppen verbessert werden und auch der Alltag sowohl der Schüler als auch der Angestellten lässt sich stimulierender und herausfordernder gestalten.
Mit dem Buch “Organizational Culture and Leadership” machte sich Edgar H. Schein einen Namen als einer der “Begründer” der Organisationspsychologie. Er geht von dem Verständnis der engen Beziehung zwischen Begriffen wie Leitung, Organisationskultur, Werte, Lernen und Veränderung aus. Das Verständnis der dynamischen Prozesse von Organisationen, Subkulturen und nationalen und ethnischen Kulturen erfordert Kenntnis von Systemtheorie und Kulturanalyse.
Der Kern seiner Theorie sind drei Ebenen einer Organisationskultur :
- Die generellen Normen, Werte und Vorstellungen für die Organisation. Das schliesst Zweck, Ziele und Regeln der Organisation ein.
- Die Struktur der Organisation, das Beschlussfassungs- und Kommunikationssystem.
- Artefakte oder Symbole, so die Sprache, der Sprachgebrauch, der physische Rahmen und eine bestehende oder fehlende Ästhetik. Damit soll, Schein zufolge, den verschiedenen Subkulturen die Möglichkeit gegeben werden, einander treffen zu können, gemeinsame Ziele zu entwickeln, eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Richtlinien zu stimulieren und Probleme zu lösen .
Auf Oure angewandt heisst das, dass alle mit irgendeiner leitenden Funktion zur Teilnahme an einem anhaltenden Lernprozess befähigt werden müssen. Diejenigen, die die Kultur schaffen, müssen bereit sein, die Rolle von Leitfiguren und Beratern im Chaos zu übernhemen, sich unbewusster Reaktionen bewusst sein, eine realistische Selbsteinsicht haben und auch eine Analyse der Prozesse der Organisationskultur vornehmen können. Sie müssen auch bereit und fähig sein, mit gewohntem und traditionellen Denken zu brechen und Motivation, Engagement und Teilnahme zu schaffen, kulturelle Vorstellungen verändern zu können und zu lernen, Teil einer neuen Kultur zu sein.
Ein anderes Schlüsselwerk der Theorie von der lernenden Organisation ist Peter M. Senges “The Fifth Discipline. The Art & Practice of the Learning Organization”. Seine Wahrnehmung einer lernenden Organisation baut sich auf einem idealistischen, nahezu naiven Enthusiasmus auf, eine Reminiszenz an Rousseau’s Bildungsvision. Er glaubt, der den Menschen angeborene Wunsch, lernen zu wollen, kann ihnen helfen, alte traditionelle und autoritäre Organisationskonzepte abzuschütteln und die instrumentale Wahrnehmung von Arbeit aufzugeben. Die Organisaiton an sich muss dazu fähig sein, gemeinsam als ein Ganzes zu lernen. Senge zufolge schliesst dieser Prozess fünf Disziplinen ein:
Systemdenken Prozesse in einer modernen, komplexen Gesellschaft zu verstehen, in der Lage zu sein, Einheit, Verbindungen, Strukturen und Muster zu erkennen.
Personal Mastery Das individuelle Lernen der Einzelnen innerhalb einer Organisation, das zu persönlicher Entwicklung und der Fähigkeit zur Konzentration auf gemeinsame Anstrengungen führt.
Mentale Modelle Die kognitiven inneren Bilder und Vorstellungen von der Wrklichkeit, die unsere Handlungen, Erfahrung und Gefühle steuern. Das ist auch ein Schlüsselbegriff in der Sportpsychologie. Sind Menschen sich ihrer geistigen Modelle nicht bewusst oder sie haben negative geistige Modelle, entstehen Probleme in der Organisation.
Aufbau einer gemeinsamen Vision Generatives Lernen - wird es als Fähigkeit gesehen, etwas schaffen zu können – kann nur das Ergebnis von Begeisterung und einer starken Vision sein. Wichtig dabei ist, dass die Visionen der Organisation mit den Visionen ihrer einzelnen Mitglieder übereinstimmen.
Lernen im Team Ist nirgendwo mehr relevant als in der Welt des Sports. Für moderne Organisationen ist es unabdingbar, das Lernen im Team zu fördern, wo die Stärken der Einzelnen eine höhere Einheit und eine gemeinsame Sprache für die Analyse einer komplexen Wirklichkeit schaffen.
Wir in Oure verfolgen mit der Schaffung einer lernenden Organisation drei übergeordnete Ziele:
- Die Internatsschule zu einem Lernmilieu zu gestalten, in dem die Schüler sich vielseitig entwickeln und soziale und kommunikative Schlüselfertigkeiten erwerben.
- Die menschlichen und fachlichen Fähigkeiten des Lehrkörpers auf der Grundlage eines bewussten und gemeinsamen Handlungsplanes zu entwickeln.
- Eine stetige qualitative Verbesserung des College anzustreben, sodass es in einer sich verändernden und konkurrierenden Wissensgesellschaft überleben und sich sogar verbessern kann.
Das Ende – oder ein neuer Anfang?
Hiermit haben wir, mitunter sehr vereinfacht, die Werte und Philosophien dargelegt, die das Internationale Sportcollege in Oure, beeinflusst, geleitet und beseelt haben. Wir hoffen, Ihr könnt sie teilen und unsere Ideen regen Euch dazu an, mehr darüber wissen zu wollen.
Wie mehrfach erwähnt, ist eine unserer grössten Herausforderungen die konstante Veränderung. Diese Veränderung bedeutet auch eine Veränderung unserer Werte und Philosophien, obwohl einige Werte wohl konstant bleiben werden. Unsere Aufgabe am Internationalen Sportcollege in Oure wird auch weiterhin sein, allen dabei zu helfen, sich diesen Veränderungen als verantwortungsvolle Weltbürger anzupassen und sie für das von ihnen gewählte Leben fit zu machen.
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